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Professor h.c. CBB - Dr. Carl Bruno Bloemertz 

WAS IST EIN SIEBDRUCK ODER EINE SERIGRAPHIE ?

Ein SIEB ist eine Fläche, die Löcher hat, durch die man Stoffe hin- durchdrücken kann, die kleiner als diese Löcher sind. Das Sieb, das beim SIEBDRUCKVERFAHREN benutzt wird, ist eine feinmaschige Gaze, meist heute aus Kunststofffäden gewebt, die in einen Rahmen aus Holz oder Metall straff eingespannt ist, wie ein Trommelfell. Durch die feinen Sieböffnungen wird die Farbe hindurchgedrückt auf eine darrunterliegende Fläche. In unserem Falle auf ein Papier. An den Stellen, an denen das Sieb undurchlässig gemacht ist, so etwa durch einen Lack, kann die Farbe auch nicht auf das darrunterliegende Papier durchgedrückt werden. Das heißt: in der sonst glatten Farbfläche, die durch das im übrigen offene Sieb auf das Papier gedrü(u)ckt worden ist, sieht man keine Farbe, sondern das freiliegende Papier, das die Form und Struktur der abgedeckten Lackpartie ganz genau wiedergibt. Das ist das Grundprinzip des S i e b d r u c k v e r f a h r e n s. Wenn wir durch das Sieb ein Bild, eine Schrift, eine Zeichnung auf ein Papier drucken wollen, dann brauchen wir nur in das Sieb zu zeichnen mit einer das Sieb schließenden Farbe oder, wie der Siebdrucker es nennt, einem Siebfüller. Dann ist das Gemalte oder Geschriebene beim Drucken a1s Negativ auf der Unterlage zu sehen, denn dort kommt ja keine Farbe auf das Papier. Im Gegensatz zu anderen druckgraphischen Techniken (Radierung, Holzschnitt, Linolschnitt), bei denen - wie bei einem Stempel - die Farbe von der Platte auf das Papier gedrückt wird, hat der Siebdruck den Vorteil, dass er immer seitenrichtig gedruckt wird und nicht spiegelverkehrt. Die Farbe wird in der Regel beim Siebdruckverfahren durch einen RAKEL - das ist ein längliches Holz, dessen Längskante mit einem Spezial-Gummistreifen versehen ist (so ähnlich wie bei einem Scheibenwischer). Mit diesem Rakel wird in das Sieb geschüttete Farbe gleichmäßig unter Druck über das Sieb von oben nach unten gezogen und damit auf das Papier darunter übertragen. Um eine besonders exakte Zeichnung im Sieb zu haben, werden heute in der Reg el die Zeichnungen des Künstlers Farbe für Farbe durch ihn aus dem Entwurf, der in diesem Falle auf Papier erstellt wird, "ausgezogen". Das heißt: er muss jede Struktur seines Bildes, die eine eigene Farbe oder auch nur andere Helligkeitsstufe hat, aus dem Entwurf herauslösen und damit isoliert darstellen. Diese sehr zeitraubende und subtile Arbeit wird meistens per Hand durchgeführt, entweder indem man die Strukturen durchpaust oder sie ausschneidet. Bei farbig en Bildvorlage en kann das auch fototechnisch erfolgen. Der Farbhandauszug hat natürlich mehr "die Hand des Künstlers" sichtbar als Vorteil und lässt sein Ausstrahlung stärker spüren. Aber auch er bedient sich dabei nicht selten der fototechnischen Umsetzung, nachdem er die Farbauszüge von Hand gemacht hat oder er schneidet aus einer Reihe von sogenannten Großdias - als Negativ oder Positiv - die gewünschten Partien mit Reißfeder oder Schere aus. Die ausgeschnittenen Strukturen werden auf einem Transparentbogen in Originalgröße exakt an die Stelle "montiert" (d.h. geklebt) , an der sie später im Bild erscheinen sollen. Wenn ein Bild mehrere Farben hat - wie etwa das vorliegende Blatt "WALZT" in einer der drei Versionen 15 Farben -, dann müssen auch entsprechend viele Farbauszüge hergestellt werden, denn man kann immer nur eine Farbe durch das Sieb drücken, wenn m an keinen Mischmasch haben will. Um aber die Farbauszüge in das Sieb selbst zum druckfertig en Sieb einzubringen, hat sich ein Verfahren herausentwickelt, dass einen sicheren und sauberen Druck gewährleistet: Das Sieb wird im Dunkeln, also einer Dunkelkammer, mit einer lichtempfindlichen Gelatine- Schicht überzogen und getrocknet. Auf diese Schicht leg t m an nun die Klarsichtfolie mit dem montierten Farbauszug. Nun wird mit einem raffinierten Verfahren durch Unterdruck der Farbauszug fest auf das Sieb gepresst und mit UV-Licht bestrahlt. Die Gelatine- schicht hat nämlich die Eigenschaft an den mit UV-Licht belichteten Stellen wasserfest zu werden. Da der mit Luftunterdruck fest an das Sieb gepresste Farbauszug an den Stellen seiner Struktur kein UV-Licht an die Gelatineschicht des Siebes heranlässt, bleiben diese Stellen wasserlöslich. Bei dem anschließenden Ausspritzen des Siebes mit einem kräftigen Wasserstrahl (man nennt es "aus- waschen") wird logischerweise die wasserlösliche Strukturstelle herausgewaschen, so dass das Sieb an dieser Stelle durchlässig bleibt und die Farbe durchgedrückt werden kann. Bei etwa 15 Farbauszügen müssen demnach auch 15 Siebe derart präpariert werden. Das ist eine außerordentlich umfangreiche Arbeit mit hohen Kosten verbunden und alles erst Vorbereitung zum eigentlichen Druck. Der DRUCK verlang t eine Reihe von Fertigkeiten und Einrichtungen. Neben den Sieben benötigt man einen Drucktisch, der vom einfachsten Tisch ohne größere Technik bis zur vollautomatischen Druckmaschine reicht. Von Bedeutung und deswegen erstrebenswert ist auf jeden Fall eine Ansaugeinrichtung, die das Papier, auf das gedruckt wird, beim Druckvorgang - dem RAKELN - festhält und nicht verschieben lässt. Ankleben des Blattes auf den Tisch mit Spezialkleber ist auch möglich, aber sehr lästig, zeitraubend und für gute Papiere schädlich. Dann sollte der Tisch eine Halterung für den Siebrahmen haben, der das Niederklappen des Siebes auf das soeben aufgelegte ("angelegte") Papier und das Wiederhochklappen, damit man den feuchten Druckbogen schadlos wieder wegnehmen kann, um ihn in die "Trockenstellage" zu legen. Eine wichtige Erfordernis beim Mehrfarbendruck im Siebdruckver- fahren ist die "PASSE-GENAUIGKEIT". Man kann sich leicht vor- stellen, dass mehrere Farbflächen oder -linien., die zueinander ein Bild darstellen sollen, wenn sie nicht genau an der Stelle stehen, an der sie sein sollen, das Bild bis zur Unkenntlichkeit verändern können, auf jeden Fall störend wirken - (eine andere Sache ist es, wenn der Künstler durch Verschiebungen bestimmter Strukturen besondere Effekte erreichen will, was aber hier nicht besprochen werden soll). Daraus folgern mehrere Notwendigkeiten: 1. Das Sieb muss genau "eingerichtet" sein. Das erreicht man dadurch, dass auf dem Drucktisch zu nächst die Originalzeichnung aufgeklebt wird (mit zwei Tesastreifen etwa), das Sieb mit der Struktur darüber gelegt, die Struktur im Sieb genau mit der entsprechenden des Originalbildes zur exakten Deckung gebracht wird und dann sofort unverrückbar an die Kippvorrichtung des Drucktisches anzuschrauben ist. 2. Während dieser Prozedur läuft die Ansaugvorrichtung, damit sich die Originalvorlage nicht verschieben kann. Zur "ANLAGE" der zu bedruckenden Papierbogen, werden in der Regel jetzt 3 "ANLEGEMARKEN" auf den Drucktisch geklebt (meist an der Schmalkante des Blattes eine Marke und an die Breitseite ebenfalls genau an den Blattrand anschließend zwei weitere dieser Papp- oder Kunststoff- streifen) . Mit diesen Anlegemarken hat man die genaue Position zum Anlegen der zu bedruckenden Papierblätter fixiert und der erste Druckvorgang kann losgehen. 3. Um einen genauen "STAND" bereits der Bildelemente (=Farbauszüge") im Sieb zu erreichen, wird mit der Kopie des jeweiligen Farbauszuges außerhalb der Bildfläche, jedoch möglichst in deren Nähe, ein sogenanntes "PASSERKREUZ" mit einkopiert. Da in allen Sieben dieses Passekreuz an der gleichen Stelle sitzt (man macht in der Regel zwei Passekreuze - oben und unten), ist es für ein rasches und sicheres Einrichten des Siebes von großer Bedeutung, wenn auch nicht allein ausschlaggebend , da das Sieb "arbeiten" kann, d.h.: es ist als Gewebe, auch bei bester Qualität, gewissen Ausdehnungen, Schrumpfungen und Verschiebungen - wenn auch noch so gering - ausgesetzt, so dass der Drucker auch dem Rechnung trag en muss. Nachdem der Trocknungsvorgang der ersten Struktur auf den Blättern der "AUFLAGE" abgeschlossen ist, kann mit dem Druck der nächsten Struktur begonnen werden. Das heißt an Arbeit: wieder genau es Einrichten, Mischung der Farben, Druck und Trocknung. Bei Handdruck und Beteiligung von zwei Personen, einer der den Rakel führt und einer der anlegt und wieder wegnimmt und in die "TROCKEN-HORDE" legt, kann bei gutem Training ein fünfzehnfarbiges Blatt in einigen Tagen fertiggestellt werden. Das betrifft aber nur den Druckvorgang. Alle sehr aufwendig en Vorarbeiten nehmen - neben der eigentlich künstlerischen Tätigkeit - meist noch wesentlich mehr Zeit in Anspruch. Dazu kommen Probleme wie: Farbauswahl, Farbmischungen, Farbüberschneidungen und dadurch Farbveränderung en, Probedrucke (bis die genau passende Nuance erreicht wird), Veränderungen der einzelnen Farbauszüge im Sieb, die sich erst beim Druck ergeben, zusätzliche Strukturen und vieles andere m ehr. Bei vielfarbigen Siebdrucken ist es ratsam eine sogenannte Druckpartitur {Druckfahrplan) anzulegen. Die zu verwendenden Farben werden dadurch festgelegt. Sie müssen in ausreichender Menge für den Druck der ganzen Auflage fertig gemischt zur Verfügung stehen, da Nachmischen nicht nur zeit- raubend, sondern auch nicht selten unbefriedigend ausfällt. Die Reihenfolge der verschiedenen Druckgänge ist auch nicht gleichgültig, da die zuletzt gedruckte Farbe durch die darrunterliegende in den meisten Fällen verändert wird. Besonders auffallend ist das bei Transparentfarben. Ihre gezielte Anwendung ist ein hervorragendes 'künstlerisches Mittel Farbveränderungen höchsten Raffinements zu erreichen, was beim Druck oft zu faszinierenden Möglichkeiten der Farbgestaltung führt. Reizvoll kann es auch sein ein Motiv in verschiedenen Farbkombinationen zu realisieren, wie das hier vorzustellende Blatt "WALZT" dessen Druckpartitur die Druckabläufe erkennen lässt. Bereich des Siebdruckes. Arbeiten mit pastosem Auftrag, Verwendung von Spezialmasken, von deformierbaren Metallsieben (etwa Kupfer), druck auf gewölbten Flächen, Lösemittel, Reinigungsmittel, Belichtungsverfahren und so weiter; eine riesige Industrie hat sich dieser Technik weltweit angenommen. Der künstlerische Siebdruck allerdings ist nur ein kleiner Teil des Ganzen, nimmt aber eine hervorragende Stellung ein, insbesondere in den USA, aber auch den nordischen Ländern und Frankreich. Große Namen sind mit diesem Druckverfahren verknüpft, das nach den neuesten Erkenntnissen doch nicht von den Chinesen erfunden sein soll.
CBB Januar 1981
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