ROUAULT,  Georges

Maler und Graphiker

geboren: 27.5.1871 in Paris, gestorben: 13.2.1958 in Paris
Rouault ist ein Einzelgänger unter den Malern des 20. Jahrhunderts.

Beinahe einzigartig ist seine Stellung als hingebungsvoller religiöser Maler, in dessenWerk das Inhaltliche gegenüber dem Formalen überwiegen muß.

Sein Stil erinnert spontan an mittelalterliche farbige Glasfenster.

Schon als Kind kannte er seines Großvaters Sammlung von Daumier-Drucken.

Sein Interesse für Kunst wurde - vielleicht entscheidend - dadurch gefördert, daß er mit 14 Jahren zu einem Glasmaler in die Lehre kam.
 

1891 trat Rouault in die Ecole des Beaux-Arts ein; im folgenden Jahr wurde er Gustave Moreaus Schüler.

Eine innige Freundschaft entwickelte sich zwischen den beiden Malern auf Grund ihrer gemeinsamen Sympathie für die mittelalterliche Kunst und für eine gefühlsbetonte Kunst.

Rouaults Frühwerke lassen deutlich den Einfluß von Werken Rembrandts erkennen, dem er sich willig unterwarf. Von 1898 bis 1902 lebte Rouault von seiner Familie getrennt.

Während dieser Zeit war er äußerst unglücklich, seine Lebensauffassung tragisch. In seinem Euvre trat diese Einstellung erst um 1906 offen zutage, als seine Arbeiten eine erstaunliche Heftigkeit verrieten.

Um dieselbe Zeit freundete er sich mit dem Schriftsteller Leon Bloy an, einer asketisch religiösen Persönlichkeit, die einen beträchtlichen Einfluß auf Rouault ausübte, obgleich beider Ansichten über das Werk des Malers hart aufeinanderprallten.

Möglicherweise wurde Rouault durch die Lektüre von Bloys La Femme pauvre« zum ersten Bild seiner Serie von  Prostituierten«-Bildnissen angeregt. 1903-04 waren diese Gemälde durch eine einheitlich dunkle Tonigkeit gekennzeichnet, doch änderte sich dies bereits in den folgenden zwei Jahren wesentlich.

Abgesehen davon, daß Rouault allgemein als Expressionist betrachtet wird, stand er nur noch mit einer Künstlergruppe in Verbindung, nämlich den Fauves; das ist darauf zurückzuführen, daß ihre Werke im Salon d'Automne von 1905 zusammen ausgestellt waren.

Diese Kontakte waren jedoch nur sehr lose, denn die heftige expressionistische Art Rouaults weicht beispielsweise von der gelassenen Heiterkeit der Gemälde Matisses weit ab.

In den Jahren 1905-06 erreichte Rouaults Expressionismus einen Höhepunkt, der selten übertroffen wurde.

Die Farbe scheint mit einer Kraft aufgetragen zu sein, wie sie erst Jahre später in den Werken der amerikanischen abstrakten Expressionisten entwickelt werden sollte.

Viele dieser Arbeiten sind Aquarelle.

Die Figuren - Prostituierte und zahlreiche Zirkusgestalten - sind mit halluzinativer Macht gegenwärtig. Er pflegte hellere Farbtöne zu verwenden und mit immer größeren transparenten Flächen zu arbeiten; wenig Bildfläche blieb übrig, die nicht von dem hastigen, leidenschaftlichen Pinselstrich gezeichnet ist.

Das Gemälde Clown und Theater-Joge von 1906 ist eines seiner besten Bilder aus dieser Periode: Die Tragik manifestiert sich nicht nur in der außergewöhnlich kühnen Pinselarbeit, sondern auch in der beschwörenden Figur des Clowns sowie in der Einsamkeit der drei Figuren in der Loge,  die mit einem Minimum an Mitteln, doch mit derselben Fanatik dargesteltt sind.

Diese Zeit des Hochexpressionismus dauerte unvermindert bis etwa 1910.

Danach erhielten seine Gemälde eine dichter gemalte Oberfläche, die bis zu seinem Tode nur geringfügig verändert wurde. Eine gewisse Tragik haftete seinem Werk immer noch an, doch die Spannung ließ nach und seine Gefühle für die Menschheit schienen sanfter geworden zu sein.

Um 1907 hatte Rouault eine Serie von »Richtern-Bildnissen begonnen.

Offenbar stand er dieser Berufsgruppe ziemlich verächtlich gegenüber; vermutlich sah er sie gleichsam mit Daumiers Augen als eine Apotheose bürgerlicher Dekadenz.

Diese Serie erreichte ihren ersten Höhepunkt-er griff dieses Thema auch später wiederholt auf - in dem Gemälde "Drei Richter" von 1913.

Hier wird in der grausam satirischen Darstellung der drei Männer ganz eindeutig der Geist Daumiers beschworen: der eine Richter erscheint schlau und wolfsähnlich, der andere gierig und träge, der dritte grinsend und töricht; die ganze Komposition ist eine bösartige Anklage gegen eine an sich altehrwürdige Institution.

Die Farben sind in glühenden dunklen Tönen gehalten mit stark betonten schwarzen Umrißlinien - ein Anklang an die Glasmalerei.

In den Gemälden von 1917-18 zeigt sich ein zwar flüssigerer, doch wenig veränderter Stil. Aus dem Jahre 1917 stammen drei schöne »Clown«-Bildnisse: Clownerie, Drei Clowns (St. Louis) und Der alte Clown (Paris) - drei typische Beispiele für den reifen Stil Georges Rouaults.

1918 malte er eine Kreuzigung, ein ergreifendes Werk, das seine Rückkehr zur religiösen Ikonographie kennzeichnete und viele andere seiner religiösen Bilder vorwegnahm.

In den folgenden zehn Jahren schuf Rouault nur wenige Gemälde, da er sich auf Anregung seines Kunsthändlers Ambroise Vollard hauptsächlich der Graphik widmete.

Miserere et Guerre, das sein ständiges Experimentieren mit verschiedenen Techniken beweist, ist sein Hauptwerk aus dieser Periode und gleichzeitig eines der graphischen Meisterwerke des 20. Jahrhunderts.

In den 30erJahren erreichte Rouaults reifer Stil seinen Höhepunkt.

In vielen seiner Werke ist die Stimmung entspannter denn je zuvor.

Nun malte er sogar Blumenstücke, in denen er die schweren gedämpften Farben fast ausschließlich für dekorative Zwecke benutzte.

Etwas beinahe Vornehmes, Dekoratives liegt in solch bekannten Gemälden wie Der alte König (Pittsburgh) von 1937, auf denen die Farbe gleichsam verkrustet wirkt, um einen juwelenähnlichen Eindruck entstehen zu lassen.

Seit dieser Zeit fehlt in seinen Werken jene Spannung der Arbeiten von 1907 bis 1917 sowie der Radierungen aus den 20er Jahren.

Rouault hatte seine Themen gefunden, die sich vor allem aus Porträts, religiösen Darstellungen und Zirkusfiguren zusammensetzte; sein Stil war geprägt, seine Charakteristika leicht erkennbar.

Seine Palette änderte sich ständig; viele seiner letzten Werke sind auf ein dominierendes Gelb-Ocker abgestimmt; in mancher Hinsicht erinnern diese Arbeiten wiederum an seinem ersten Meister Gustave Moreau. 

Werkauswahl:
 
BASEL Kunstmuseum ,Der Dichter Paul Verlaine, Papier, 59x44
cm. - Privat-Slg Prostituierte, 1906, Aquarell und Pastell, 70x54
cm. - BUFFALO (New York) Albright-Knox Art Gallery Herr X
1911, Papier auf Holz, 79x58 cm. - CHlCAGO Slg L. B, Block
Passion, 1943, Leinwand, 704x74 cm. - LONDON Tate Gallery
Tetes ä Massacrea, 1907, Papier auf Leinwand, 75x705 cm
NEW YORK Knoedler Galleries »Setbstbildnisse, 1926
Leinwand, 57x47 cm. - Museum of Modern Art Drei Richter
1913, Pappe, 76x705 cm l »Begräbnis,1930, Gouache und Pastell
29x50 cm l »Verspottung Christi<, 1932, Leinwand, 92x72 cm
Slg W. P. Chrysler Haupt Christi, 1905, Leinwand, 174x79 cm
PARIS Musee National d'Art Moderne »junger Arbeiter<, 1925
Leinwand, 68x52 cm. - Privat-51g >,Mondschein, 1952, Leinw.
46x33 cm. - Slg St. S. Niarchos Der alte Clown, 1977, Pappe
702x76 cm. - PITTSBURGH (Pennsylvania) Museum of Art,
Carnegie lnstitute Der alte König, 1937,Pappe,77x54 cm

Literaturhinweis:

 RUSSELL im Katalog der Ausstellung »Rouault (Tate Gallery
London 1966. - G. MARCHIORI Georges Rouault, Paris, in
Canne und Mailand 1965. - P. COURTHION ,>Georges Rouault
London 1962. - f. ZVERINA ,>Georges Rouault, Prag 1961
L. VENTURI Rouault, Genf 1959. - /. T. SOBY, C. O. SCHNIE
WIND im Katalog der Ausstellung uGeorges Rouault (Museum
Modern Art), New York 1945. - L.VENTURI Georges Rouault
New York 1940. - M. WHEELER im Katalog der Ausstellung the
prints of Georges Rouault (Museum of Modern Art), New Yorck
1938. - R. COGNIAT Georges Rouault, Paris 1930. - G. CHAREN
SOL Georges Rouault, Paris 1926. H. R.

back
Info - Bestellung - Order 
Künstlerliste ( back to the artist list